Boulderschuhe und Kletterschuhe

Boulderschuhe und Kletterschuhe im Einsatz an der WandBoulderschuhe gehören zur Grundausstattung jedes Klettersportlers. Wer anfangs beim Bouldern oder Klettern auf diese Schuhe verzichtet, wird schnell merken, dass das Bouldern mit normalen Sportschuhen recht schwierig ist. Die meisten Boulderhallen verleihen daher auch Boulderschuhe und in vielen Hallen ist das Bouldern mit anderen Schuhen sogar verboten. Richtig Spaß macht das Bouldern ohnehin erst mit den richtigen Schuhen. Aber was ist der richtige Schuh für mich? Was muss ich beim Boulderschuhe kaufen berücksichtigen und welche Unterschiede gibt es bei den Schuhen? All diese Fragen möchte ich hier beantworten und bei der Suche nach dem richtigen Kletter- oder Boulderschuh helfen.
Die beliebtsten Boulderschuhe findest du auf Bergfreunde.de*:
Übersicht der beliebtesten Boulderschuhe auf Bergezeit.de

Was ist der Unterschied zwischen Kletterschuhen und Boulderschuhen?

Kletterschuhe und Boulderschuhe sind grundsätzlich die gleichen Schuhe und können für beide Arten des Kletterns verwendet werden. Dennoch gibt es einige Aspekte, auf die beim Kauf für die verschiedenen Kletterdisziplinen geachtet werden sollte.

Kletterschuhe werden meist länger am Stück getragen, da die Routen in der Regel wesentlich länger sind als Boulderrouten. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, dass der Schuh eine gewisse Bequemlichkeit mit sich bringt. Wer schon einmal einen Tag lang einen zu kleinen Schuh getragen hat, wird dies schnell nachvollziehen können.
Da ein Kletterschuh jedoch auch auf hohe Performanz ausgerichtet sein muss, sind auch diese natürlich nicht grundsätzlich Bequem wie Hausschuhe oder Sneaker. Doch um in den langen Kletterrouten keine schmerzenden Füße zu bekommen, spielt der Bequemlichkeitsfaktor eine große Rolle, der etwas auf Kosten der Performanz geht.

Boulderschuhe werden dagegen ganz auf Performanz getrimmt. Da die Routen kurz sind und der Schuh zwischen den Versuchen daher immer wieder ausgezogen werden kann, rückt die Bequemlichkeit stark in den Hintergrund. Je ambitionierter der Boulderer ist, umso performanter sollte auch sein Schuh sein. Je anspruchsvoller die Route ist, desto hilfreicher ist die Unterstützung, die ein guter Boulderschuh liefern kann. Besonders wichtig sind dabei die Vorspannung und der Downturn.

Vorspannung

Die Vorspannung beschreibt die Krümmung der Sohle des Schuhs. Ein Schuh mit einer hohen Vorspannung hat also keine gerade Sohle wie ein Turnschuh, sondern ist gebogen wie eine Banane. Die Vorspannung unterstützt den Fuß bei der Arbeit an den Tritten. Sie sorgt dafür, dass der Fuß durch die Spannung und Biegung eine hohe Stabilität und Trittsicherheit in der Route gewährleisten kann.
Die Vorspannung geht auf Kosten der Bequemlichkeit und kann bei seltener oder zu langer Benutzung am Stück sogar weh tun. Gerade Anfänger und gelegentliche Boulderer sollten es daher mit der Vorspannung nicht übertreiben. Doch auch bei Boulderschuhen für Anfänger sollte auf eine gewisse Vorspannung des Schuhs geachtet werden.

Boulderschuh Ocun Ozone Plus

Der Ocun Ozone Plus ist ein Kletterschuh mit starker Vorspannung, der einen besonders guten Grip bietet und von besonders vielen Nutzern empfohlen wird.

Auf Bergfreunde.de findest du alle Details zu diesem Boulderschuh sowie Rezensionen von Kunden (94% der Kunden empfehlen diesen Schuh!).

Downturn

Downturn bezeichnet eine Biegung des Schuhs im Zehenbereich. Durch sie werden die Zehen etwas weiter gekrümmt. Das macht einen Schuh noch aggressiver, performanter aber auch unbequemer. Der Vorteil eines hohen Downturns besteht in der Möglichkeit, kleine Tritte noch besser mit den Zehen festhalten zu können. So kann man auch auf kleinsten Tritten sicher stehen und ordentlich Kraft auf den Fuß bringen ohne abzurutschen oder den Fuß zu gefährden. Bei langen Routen, gerade beim Klettern, ist ein Schuh mit starkem Downturn nicht zu empfehlen. Auch bei langen Bouldersessions können sehr performante Boulderschuhe, also mit starkem Vorspann und Downturn, nach einer Zeit zu unbequem werden. In diesen Fällen ist es zu empfehlen zwei Paar Schuhe mitzunehmen: ein hoch performantes Paar für die schwierigsten Krux und ein gemütlicheres Paar für die einfacheren Routen, sowie zum Aufwärmen und Abbouldern.

Welche Boulderschuhe soll ich kaufen?

Diese Frage ist nicht pauschal zu beantworten. Es gibt jedoch einige Kriterien, die du bei der Wahl der richtigen Boulderschuhe beachten solltest.
Als erstes sollte der Anspruch an die Boulderschuhe definiert werden. Bist du Anfänger oder Fortgeschritten? Wie ambitioniert bist du beim Bouldern? Anfänger sollten sich einen gemütlicheren Schuh aussuchen. Es gibt eine Reihe an typischen Kletterschuhen für Anfänger. Als ambitionierter Boulderer und Fortgeschrittener solltest du mehr auf die Performance des Schuhs setzen, um das maximum aus dir herauszuholen.
Die Materialien der Schuhe unterscheiden sich und haben jeweils ihre Vor- und Nachteile. Informiere dich über die verwendeten Materialien, um einen Fehlkauf zu vermeiden.
Die Größe der Schuhe unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller. Aber auch dein Boulderlevel und deine Fußform spielen bei der Wahl der Schuhe eine wichtige Rolle (siehe unten).
Last but not least spielt auch der Preis bei der Wahl der Schuhe eine nicht unwichtige Rolle. Wer gerade in den Sport hineinschnuppert, möchte vielleicht erst einmal nicht so viel Geld ausgeben. Als Anfänger weiß man auch noch nicht, worauf es einem bei den Boulderschuhen ankommt. Es kann sich dann lohnen mit einem günstigeren Modell einzusteigen und später mit Erfahrung und genaueren Vorstellungen auf ein teureres Modell umzusteigen.

Boulderschuhe für Anfänger (mit geringer Vorspannung)

Boulderschuhe für Fortgeschrittene (mit Starker Vorspannung)

Hersteller von Kletter- & Boulderschuhen

Zu den beliebtesten Herstellern von Boulder- und Kletterschuhen gehören folgende Anbieter:

  • La Sportiva
  • Scarpa
  • Ocun
  • Red Chili
  • Boreal
  • Five Ten

Alle Hersteller haben eine große Auswahl an verschiedenen Modellen für Anfänger, Fortgeschrittene und Profis und bieten verschiedene Materialien an. Auch beim Design unterscheiden sich die Hersteller natürlich voneinander. Auch wenn das nicht der Grund für die Wahl eines Boulderschuhs sein sollte, muss der Schuh dem Träger ja auch gefallen.

Material von Boulderschuhen

Obermaterial

Das Obermaterial von Kletterschuhen ist traditionell aus Leder. Es hat den Vorteil, dass es sehr lange haltbar ist und besonders gut verarbeitet werden kann. Schuhe aus Leder bieten außerdem einen hohen Tragekomfort. Nachteil von Leder als Obermaterial ist die Dehnbarkeit. Durch Wärme, Belastung und Schweiß kann es langfristig zu Verformungen des Schuhs kommen. Dadurch sitzt der Schuh im schlechtesten Fall nicht mehr so gut und kann sich auf eine größere Schuhgröße dehnen. Das kann dafür sorgen, dass der Boulderschuh beim Bouldern verrutscht und gerade bei Toe Hooks und Heel Hooks nicht die Stabilität und Sicherheit bietet, die er ursprünglich hatte.

Fast alle Hersteller bieten auch Schuhe an, die kein Leder verwenden. Einige Hersteller bieten daher auch vegane Kletterschuhe und Boulderschuhe an. Die synthetischen Materialien haben den Vorteil, dass sie formstabiler sind, allerdings auf kosten des Tragekomforts, da sie sich dem Fuß nicht so gut anpassen. Ein weiterer Nachteil von synthetischen Materialien bei Boulderschuhen ist die Geruchsentwicklung. Während Leder unangenehme Gerüche weitgehend unterdrückt, können andere Materialien für ungeahnte Dufterlebnisse durch Schweiß und Wärme sorgen.
Beim Schuhkauf sollte daher darauf geachtet werden, um welches Obermaterial es sich bei dem Schuh handelt. Lederschuhe werden meist absichtlich “zu eng” gekauft, da damit gerechnet werden muss, dass sie sich noch etwas dehnen. Schuhe aus synthetischen Materialien werden daher häufig tatsächlich zu klein gekauft, wenn der Käufer sich nicht ausreichend informiert. Die Folge sind schmerzende Füße und Frust beim Bouldern oder Klettern. Dann hilft nur noch ein neuer Schuh.

Sohle

Die Sohle von Boulder- und Kletterschuhen besteht aus Gummi. Sie sorgt für einen guten Halt auf den Tritten und an der Wand. Die zusammensetzung des Gummis ist bei jedem Hersteller anders und ein wohl gehütetes Geheimnis. Wichtig ist, dass der Grip der Sohle für den Verwendungszweck passend ist.
Gerade beim Klettern und Bouldern am Fels kommt es stark auf die Gesteinsform an, welche Sohle am passendsten ist. Handelt es sich um ein festes Gestein mit kleinen Tritten kann eine etwas härtere Sohle benutzt werden. Bei glatten Gesteinen mit wenigen Tritten (z.B. Kalkgestein) empfiehlt es sich eine weichere Sohle zu benutzen, da so die Reibung erhöht wird, wenn statt Tritten nur der glatte Fels zur Verfügung steht.
Da die Sohle ein Verschleißteil der Boulderschuhe ist, sollte diese ersetzt werden, bevor das Obermaterial beschädigt wird. Die Schuhe sind darauf ausgelegt, dass die Sohle ausgetauscht werden kann. Wird jedoch das Obermaterial beschädigt, ist eine Reparatur unter Umständen nicht mehr möglich und ein neuer Schuh muss her.

Die richtige Größe von Kletterschuhen und Boulderschuhen

Immer wieder höre ich den Spruch: “Ein Kletterschuh muss weh tun!”. Das ist natürlich Unsinn. Es stimmt, dass sich Kletterschuhe und Boulderschuhe eng an den Fuß schmiegen sollten. Wer jedoch Schmerzen im Schuh hat, wird an der Wand nicht sein volles Potential entfalten können. Die Suche nach der richtigen Größe muss also etwas differenzierter Betrachtet werden und eine pauschale Antwort ist im Prinzip nicht zu geben. Die richtige Größe der Schuhe hängt von folgenden Faktoren ab. Bergfreunde.de bietet einen Rechner für Boulderschuhgrößen an, der die empfohlene Größe für bestimmte Modelle anhand der Erfahrungen von echten Nutzern angibt.

Fußform des Trägers

Es sollte beachtet werden, dass es grundsätzlich drei unterschiedliche Fußformen gibt. Diese werden grob am größenverhältnis von großem Zeh zum “Zeigezeh” unterschieden.
Ist der Zeigezeh genauso lang wie der große Zeh, spricht man von einer “römischen” Fußform. Wenn der Zeigezeh länger ist, wird die Fußform mit “griechisch” beschrieben. Ist der Zeigezeh kürzer als der große Zeh, spricht man von einer “griechischen” Fußform.
Es kann also passieren, dass verschiedene Modelle eines Herstellers in unterschiedlichen Größen zu passen scheinen. Einige Hersteller bieten mittlerweile genaue Informationen dazu an, welche Modelle für welche Fußformen passen.

Hersteller und Form der Schuhe

Wie bei normalen Schuhen fallen die Größen der Boulderschuhe bei verschiedenen Herstellern auch etwas unterschiedlich aus. Es lohnt sich daher, nicht so sehr auf die Nummer der Schuhgröße zu achten, sondern mehr auf die Passform und das Tragegefühl wert zu legen.

Material der Schuhe

Wie bereits beschrieben, unterscheiden sich die Schuhe auch beim Obermaterial. Als Käufer solltest du dich daher informieren, aus welchem Obermaterial der Schuh besteht und ob er sich also noch dehnt. Ein Boulderschuh aus Leder wird häufig gefühlt einen Tick “zu eng” gekauft, da die voraussichtliche Dehnung antizipiert wird. Wenn jedoch ausversehen ein synthetischer Schuh zu klein gekauft wird, kann das zu komfortverlust und Unbehagen beim Bouldern oder Klettern führen.

Verwendungszweck (Bouldern vs. Klettern)

Während bei einem Kletterschuh auch auf dem Tragekomfort geachtet werden sollte, kann bei einem Boulderschuh die Performance im Vordergrund stehen. Doch auch beim Bouldern muss bedacht werden, dass Schmerzen durch zu kleine Schuhe oder eine unpassende Schuhform die Leistung beim Bouldern verringern können. Achte also auf die Angemessenheit des Schuhs für deine Zwecke und dein Boulderlevel.

Ambition und Level des Trägers

Anfänger sollten mit einer flacheren Sohle (weniger Vorspann) und höherem Tragekomfort starten. So kann sich der Fuß an die Belastung gewöhnen und der Träger kann sich ganz auf das Erlernen der Techniken und Kniffe des Boulderns konzentrieren anstatt sich mit schmerzenden Füßen herumzuschlagen. Ambitionierte Boulderer und Fortgeschrittene sollten dagegen mehr auf Performance der Schuhe setzen, da diese bei schwierigeren Routen eine hervorragende Unterstützung bieten, die sie zum nächsten Schwierigkeitslevel katapultiert.

Verschleiß von Boulderschuhen

Boulderschuhe werden bei diesem Sport einer hohen Belastung ausgesetzt. Reibung, Wärme, Druck und Schweiß belasten alle Teile der Schuhe. Es ist daher nicht zu vermeiden, dass der Schuh mit der Zeit Verschleißspuren aufweist.
Die höchste Belastung ist dabei in der Regel auf der Sohle. Sie steht unter Druck und Reibung mit der Wand, was für einen Abrieb besonders an den stark belasteten Stellen wie der Fußspitze und (beim Bouldern) der Ferse sorgt.
Je nach Wand beziehungsweise Beschaffenheit des Felses, fällt der Abrieb unterschiedlich stark aus. Boulderschuhe, die ausschließlich in der Halle getragen werden sind einer geringeren Abnutzung ausgesetzt, als am Fels.
Wenn die Sohle deutliche Verschleißspuren und Abrieb aufzeigt, ist dies kein Grund zur Sorge. Stattdessen sollte die Sohle rechtzeitig gewechselt werden, bevor das Obermaterial der Boulderschuhe beschädigt wird. Ist das Obermaterial angegriffen, kann eine Reparatur teuer werden oder im schlimmsten Fall unmöglich sein. Der Austausch der Sohle dagegen kann selbst vorgenommen werden oder bei einem Spezialisten beauftragt werden. Dies ist in der Regel wesentlich günstiger, als einen neuen Schuh zu kaufen. Die meisten Outdoor- und Klettershops oder Sportläden können bei der Suche nach einem passenden Schuster helfen.

Die richtige Pflege von Boulderschuhen

Um den Verschleiß von Boulderschuhen in einem angemessenen Rahmen zu halten und die Schuhe länger haltbar zu machen, empfiehlt es sich einige Aspekte der Pflege von Boulderschuhen zu berücksichtigen.

Der wichtigste Pflegehinweis ist sicherlich das Lüften. Beim Bouldern wird es warm und es wird geschwitzt. Nach einer ausgiebigen Session sind die Schuhe meist feucht vom Schweiß: ein idealer Ort für Bakterien. Auch wenn diese nicht unbedingt schädlich sind, entwickeln sie doch unangenehme Gerüche, die den Tragekomfort der Boulderschuhe stark beeinträchtigen kann. Die Lösung: Trocknen und Lüften.
Nach dem Bouldern sollten die Boulderschuhe nicht bis zur nächsten Session in einem Schrank oder gar einer Plastiktüte verschwinden. Am besten trocknen die Schuhe an der frischen Luft. Erst wenn sie ganz trocken sind, können sie im Schrank untergebracht werden, wenn dies nötig ist. Wenn der Geruch durch das Lüften nicht verschwindet empfiehlt sich ein altbekanntes Hausmittel gegen Gerüche: Natron (oder Backpulver). Streue das Pulver einfach in die Schuhe und lasse es dort über Nacht.

Hat der Geruchspegel das Level des erträglichen überschritten, hilft nur noch das Waschen der Schuhe. Um das Material zu schonen, sollten die Schuhe nicht in der Waschmaschine gewaschen werden, sondern in einem Eimer mit handwarmen Wasser und ein wenig Seife. Dies kann Dreck und Geruch entfernen und den Schuh wieder tragbar machen. Beachte, dass es sein kann, dass gerade Boulderschuhe aus Leder nach dem Waschen etwas kleiner wirken. In der Regel passt sich das Material aber schnell wieder den Füßen an. Sollte dies nicht der Fall sein, hilft es, ein warmes Fußbad mit den den Schuhen zu nehmen und diese auch danach nicht direkt auszuziehen. Das Trocknen auf der Heizung sollte unbedingt vermieden werden.