Boulderschuhe: der ultimative Guide 2020

Ob Anfänger oder Profi, Halle oder Fels, die Boulderschuhe haben einen direkten Einfluss darauf wie du kletterst. Dieser Guide hilft dir bei der Wahl der richtigen Schuhe.


Profil

Ein flacher Schuh ist für Anfänger eine gute Wahl, da er auch bei schwachen Zehen guten Halt bietet. Doch auch für viele Kletterdisziplinen ist eine flache Sohle ideal: ein flaches Profil hat den Vorteil, dass es nah an der natürlichen Form des Fußes angelegt ist und daher meist bequemer ist. Gerade bei längeren Sessions und noch nicht an die Belastung gewöhnten Füße vermeidet eine flache Sohle Schmerzen und Unbequemlichkeit.

Boulderschuhe mit starkem Downturn sind gerade bei überhängenden Routen ein großer Vorteil. Durch die gebogene Form wird der Fuß bereits in eine Position gebracht, die ideal zum Hooken ist. Dadurch spart man viel Energie und sichert sich einen technischen Vorteil. Der Nachteil bei solchen “aggressiven” Schuhen ist, dass sie meist nicht so bequem sind und daher oft zwischen den einzelnen Climbs ausgezogen werden müssen, um den Fuß zu entlasten.

Schuhe mit mittlerer Vorspannung sind weniger aggressiv und dadurch zwar etwas weniger technisch jedoch auch bequemer. Sie sind quasi der Kompromiss zwischen Komfort und Technik und bieten daher für fortgeschrittene Boulderer eine gute Alternative.


Symmetrie

Ähnlich wie bei den wenig vorgespannten gegenüber den stark vorgespannten Schuhen verhält es sich bei den symmetrischen gegenüber den asymmetrischen Schuhen.

Asymmetrische Boulderschuhe sind quasi in sich “gedreht” und fokussieren dadurch die Power des Fußes auf den großen Zeh. Das verbessert die Präzision, die Stabilität und das Gefühl auf kleinen Tritten, macht die Schuhe jedoch auch ungemütlicher bei längerem Tragen.


Flexibilität der Mittelsohle

Eine steife Mittelsohle ist ideal für langes Klettern, da sie den Fuß und die Wade entlasten und mehr Stabilität liefern. Dadurch ist es wesentlich einfacher längere Zeit auf kleinen Tritten zu stehen. Gerade für multi-pitch Kletterer ist das eine wichtige Entlastung.

Beim Bouldern wird meistens jedoch weniger Wert auf eine harte Sohle gelegt, da die Routen wesentlich kürzer sind und die Füße zwischendurch entlastet werden können. Daher werden eher weichere Sohlen bevorzugt, die eine bessere Performance beim Bouldern liefern.

Weiche Sohlen werden bei Boulderschuhen häufig bevorzugt. Durch die Flexibilität bieten sie bei Überhängen sowie Toe und Heel Hooks eine bessere Performance. Weiche Sohlen ermüden die Füße und Waden schneller, weil sie weniger Stabilität geben, die durch die Muskeln ausgeglichen werden müssen. Allerdings eignen sie sich durch die höhere Flexibilität hervorragend für technische und steile bis überhängende Routen. Weiches Gummi hat zudem den Vorteil, dass es besser für “smearing” geeignet ist.

Auch bei der Flexibilität der Mittelsohle gibt es viele Abstufungen, die zwischen den Extremen hart und weich liegen. Sie bieten durch Unterstützung des Fußes mit höherer Stabilität und technischer vielseitiger Einsetzbarkeit durch relativer Flexibilität der Sohle das Beste aus beiden Welten. Allerdings nicht ohne gleichzeitige Kompromisse auf beiden Seiten.


Obermaterial

Das Obermaterial von Boulderschuhen bedarf besonderer Aufmerksamkeit, denn es dehnt sich! Natürliches Leder und Veloursleder dehnt sich ungefähr um eine ganze Schuhgröße und ausgekleidete Schuhe um eine halbe Größe, während synthetisches Obermaterial relativ gleich bleibt.

Das Obermaterial bedingt auch die Geruchsentwicklung der Boulderschuhe. Leder und Veloursleder sind grundsätzlich atmungsaktiver und weniger anfällig für die Geruchsentwicklung durch Bakterien, die sich um Material ansiedeln. Synthetische Materialien dagegen sind meistens anfälliger für Bakterien und Geruchsentwicklung, absorbieren unter Umständen jedoch die Feuchtigkeit besser, als Lederschuhe, was gerade im heißen Klima oder starker Schweißentwicklung von Vorteil ist.

Eine Hersteller verwenden für synthetische Materialien besondere Behandlungsverfahren, die Bakterien und Gerüche verhindern sollen. In der Regel wird in den Produktbeschreibungen darauf hingewiesen.


Break-In Phase

Wie auch viele Straßenschuhe müssen Boulderschuhe eingelaufen bzw. “eingebouldert” werden, im Englischen wird dies “break in period” genannt. 

Lederschuhe dehnen sich bis zu einer ganzen Größe. Beim Kauf sollte daher auch eine eher enge Passform geachtet werden. Sie erfordern eine lange und unkomfortable Break-In Phase, die unangenehm sein kann und die Boulder-Performance einschränkt. Allerdings wird man mit einem passgenauen Schuh belohnt, der sich der individuellen Fußform optimaler anpasst, als synthetisches Material.

Auf die Dauer kann es passieren, dass die Lederschuhe ihre Form verlieren, was vor allem bei starker regelmäßiger Benutzung eintritt. Gerade die Performance in Boulderschuhen mit starkem Downturn leidet unter dem Verlust der optimalen passform.

Schuhe aus synthetischen Materialien bieten von Anfang an eine hohe Performance. Allerdings passen sie sich der individuellen Fußform nicht so stark an, was bedeutet, dass sie nie den gleichen Komfort wie Lederschuhe erreichen. Wenn sie also beim Kauf nicht ordentlich sitzen, bleiben sie auch später eher unbequem.

Ein passendes Paar Boulderschuhe aus synthetischem Material verspricht dafür jedoch eine längere Lebensdauer, da sie sich eben nicht so stark dehnen und ihre Form nicht verlieren.

Einige Kletterschuhe aus Leder sind mit synthetischem Material ausgekleidet. Das sorgt für Stabilität und Haltbarkeit der Schuhe bei gleichzeitiger Anpassung an den Fuß. Oft ist nicht der gesamte Schuh ausgekleidet, sondern besondere Stellen, bei denen zu starkes Dehnen vermieden werden soll (z.B. die Schuhspitze). 

Das extra Material im Schuh sorgt dafür, dass der Fuß weniger sensibel ist, was vor allem beim Bouldern am Fels dafür sorgt, dass kleine Tritte nicht so intuitiv gefühlt werden. 

Um die beste Kombination aus Performance und Komfort zu erhalten, lohnt es sich die technischen Spezifikationen genau anzusehen. 


Verschluss: Schnürsenkel, Klettverschluss oder Slipper?

Schnürsenkel bieten die größte Flexibilität von allen Verschlussformen. Sie können enger oder weniger eng geschnürt werden, um optimal für unterschiedliche Sessions und Boulder angepasst zu werden. Wenn du eine ungewöhnliche Fußform hast oder bisher Schwierigkeiten hattest einen passenden Schuh zu finden, lohnt es sich Schnürschuhe auszuprobieren.

Schnürsenkel machen den Schuh steifer, was gerade bei langen Routen für Entlastung sorgt. Sie lassen sich auch sehr gut an den Fuß und den Einsatz anpassen, weshalb sie häufig auch an gemütlichen Kletterschuhen verwendet werden.

Nachteil der Schnürsenkel ist, dass sie relativ aufwendig an- und auszuziehen sind und sich daher eher für weniger aggressive und längere Routen eignen.

Slipper oder Slip-on Schuhe sind meist besonders aggressive Boulderschuhe. Da kein Verschluss vorhanden sind, ist auch kein Material im Weg, dass bei schwierigen Toe- oder Heelhooks in Überhängen im Weg ist. Da sie zwischen den einzelnen Bouldern schnell aus- und angezogen werden können, kann der technische Aspekt ganz im Vordergrund stehen. Bei Slip-on Schuhen sollte daher auch auf eine optimale Passform geachtet werden, die keine Freiräume lässt, sondern sich ganz an den Fuß anschmiegt.

Die häufigste Verschlussform ist der Klettverschluss (engl.: Velcro). Sie bieten das beste aus beiden Welten; Sie können schnell an- und ausgezogen werden und dem Fuß angepasst werden. Es gibt Modelle mit ein, zwei oder drei Klettverschlüssen und auch einige spezielle Verschlusstechniken. Am Ende kommt es auf die beste Passform und Handhabung an.


Gefühl für die Füße

Nicht in jeder Route kann man sich auf seine Augen verlassen. Daher ist es wichtig auch in den Füßen so viel Gefühl wie möglich zu haben. Klar ist, dass das unmöglich ist, wenn der Fuß in eine dicke Gummischicht gewickelt ist.

Der Durchmesser der Sohle ist ausschlaggebend für das Feingefühl des Fußes gerade an schwierigen Bouldern. Wer mit Straßenschuhen bouldert, wird merken, dass sie zu wenig gefühl bieten und wird bei schwierigeren Routen schnell an die Grenzen kommen.

Je dünner die Sohle, desto mehr Gefühl aber auch schnellere Abnutzung. Ein normaler Boulderschuh hat ca. 4mm Gummi an der Sohle, ein langlebiger Schuh 5mm und ein besonders feinfühliger 3mm. Bei der Wahl des Gummis kommt auf den Einsatz, die Erfahrung und den gewünschten Effekt an.

Wer noch einen Schritt weiter gehen möchte, kann sich mit den verschiedenen Gummiarten beschäftigen, die die Hersteller verwenden. Denn hier gibt es auch weichere und härtere Mischungen, die Sensibilität und Performance beeinflussen.


Boulderschuhe kaufen: So findest du die richtige Passform!

Die richtigen Boulderschuhe zu finden, ist keine leichte Aufgabe. Gerade als Anfänger weiß man nicht, worauf eigentlich zu achten ist und welchen Anforderungen die Schuhe genügen müssen. Erst wer längere Zeit bouldert weiß genauer, welche Aspekte für die eigene Performance wirklich im Vordergrund stehen. 

Hier daher einige Hinweise, worauf zu achten ist:

Die Größe ist egal! Kletterschuhe fallen sehr unterschiedlich aus und jede Marke hat ihre eigenen Größen. Es kann daher durchaus sein, dass der optimale Schuh eine Nummer oder mehr größer oder kleiner ist, als die Straßenschuhgröße.

Achte darauf möglichst viele Größen auszuprobieren und dich bei unterschiedlichen Modellen nicht durch die Größenangabe festlegen zu lassen.

Boulderschuhe dehnen sich! Mehr oder weniger. Schuhe Leder dehnen sich bis zu einer Schuhgröße, kombinierte Schuhe bis zu einer halben Größe und synthetische Schuhe dehnen sich kaum. Schaue daher genau auf die verarbeiteten Materialien. Denke auch daran, dass sich fast alle Boulderschuhe bis zu einem gewissen Grad an die Fußform bzw. die Füße an die Schuhe gewöhnen.

Füße schwellen an! Morgens sind Füße in der Regel kleiner, Nachmittags dagegen angeschwollener. Auch die Temperatur spielt eine Rolle. Bei heißem Wetter schwellen die Füße an, ebenso wie bei guter Durchblutung. Es macht daher Sinn, Boulderschuhe Nachmittags anzuprobieren.

Eng, aber nicht zu eng! Die richtige Balance zwischen einem eng anliegenden und einem zu kleinen Schuh zu finden ist nicht ganz leicht. Luft im Schuh, vor allem in der Ferse, Spitze und an den Zehen sollte vermieden werden. Allerdings sollte er auch nicht drücken. Es kann etwas dauern, bis man den richtigen Schuh für den eigenen Fuß findet.

Level und Ambition! Wie eng, fest und vorgespannt ein Boulderschuh sein sollte, kommt auf die individuellen Fähigkeiten, die Ambitionen und das Kletterverhalten an. Einsteiger und “Social-Boulderer” legen häufig mehr Wert auf Komfort, damit der Schuh nicht drückt und eine ganze Session lang nicht ausgezogen werden muss. Fortgeschrittene und Profis setzen auf stärkere Vorspannung und Flexibilität, achten aber auch stärker auch die unterschiedlichen Einsatzgebiete der Boulderschuhe und haben häufig sogar mehrere Paare für unterschiedliche Routen und Herausforderungen.


Fazit

Wie in den meisten Sportarten ist die Wahl des richtigen Equipments auch beim Bouldern nicht einfach und es gibt auch nicht die eine richtige Antwort.

Für Anfänger empfiehlt es sich, einen der klassischen Allrounder-Schuhe zu wählen, um sich an den Sport zu gewöhnen.

Je länger man bouldert und je mehr Erfahrung man dabei sammelt, desto genauer weiß man, worauf man beim nächsten Paar Boulderschuhe achten wird.